Hey,
Zitat
Original von Maja23
Sollte der Staat wegen der hohen Arbeitslosigkeit Arbeitsplätze zu Lasten des Haushaltsdefizits schaffen?
Das ist grundsätzlich eine Frage der wirtschaftspolitischen Gesinnung. Hättest diese Frage in den Anfangsjahren der Gründung der BRD gestellt hätten die Ökonomen dir diese Frage mit einem "Ja" beantwortet und hättest du irgendwann ab den 70igern gefragt, hätten dir die Ökonomen diese Frage mit einem eindeutigen "Nein" beantwortet.
Bei unserem Kanzler ist das so eine Sache, am Anfang seiner Legislaturperiode hat er eher neoklassisch gehandelt und seit ein einigen Monaten scheint er wieder in Richtung des antizyklischen Handeln à la Keynes zu tendieren.
Du siehst also, dass sich selbst die Ökonomen untereinander und die Politiker sowieso schon einmal gar nicht einig sind.
Jetzt aber Schluss mit dem Gerede, jetzt wird’s ernst
Wenn der Staat investiert...
... auf Kosten des Haushalts, also beispielsweise Kredit finanziert, hätte das auf dem Kreditmarkt schlimme Folgen, da der Staat durch seine Kreditfinanzierung den Marktzins nach oben treiben würde und somit Unternehmen die investieren wollen verdängen würde, da Investitionen die gerade noch rentabel sind durch den höheren Marktzins unrentabel werden. Also würde er durch seine Politik auch in der Wirtschaft existierende Arbeitsplätze vernichten.
...hätte das, wenn es auf Kreditfinanzierung beruht auch eine höhere Belastung der zukünftigen Generationen zur Folge, da Schulden die heute gemacht werden, morgen wieder zurückgezahlt werden müssen und das wohl oder Übel auf Kosten von Steuererhöhungen, was den Wirtschaftsstandort unattraktiver für Unternehmen also auch für Investitionen mache würde.
...hätte das eine erhöhte Staatsquote am BIP/BSP zur Folge. Einer der Probleme bei der Staatsquote ist, das es erstens nur eine Umverteilung des Geldes ist und des Weiteren die Lenkungsmechanismen des Marktes teilweise außer Kraft setzt, da nicht dort investiert wird wo es am rentabelsten ist, sondern wo man am Meisten Arbeitsplätze schaffen kann
...hätte, dass man kurzfristig (!!) eine erhöhte Inflation in Kaufnehmen müsste, was empirisch unter ceteris paribus die Phillips-Kurve hinreichend erläutert. Inflation kann dramatische Folgen haben, da möglicherweise die Flucht ins Sachkapital angetreten wird, auf jeden Fall sogar Allokationssysteme des Marktes nicht mehr funktionieren, usw...
... fragwürdig ist auch ob Investitionen seitens des Staates die Arbeitslosigkeit wirksam bekämpfen würde, denn der größte Teil der Arbeitslosigkeit entsteht auf struktureller Arbeitslosigkeit. Diese lässt sich mittel Investitionen in den Wirtschaftskreislauf nicht mindern. Friktionelle Arbeitslosigkeit, also Sucharbeitslosigkeit , und saisonale Arbeitslosigkeit so wie so nicht. Bei konjunktureller würde es helfen
....da könnte man noch so viele weitere Beispiele nennen.
Letztlich ist es eine Sache der Abwägung!
Aber der neoklassischen Sichtweise nach, die ich mich seitens der Staatsinvestitionen einmal anschließen würde, sind Investitionen seitens des Staates negativ zu bewerten.
Zitat
Original von Maja23
Kann mir jemand die Konjunkturphasen anhand von S und I (sparen und investieren) ganz kurz erklären????
Werde an dem Thema einmal ganz oberflächlich rangehen. Auf weitergehende Fragen versuche ich dann auch noch einmal genauer und tiefgründiger einzugehen
Vereinfachte Annahme: Geschlossene Volkswirtschaft.
Dort entspricht das Sparen den Investitionen. (ist eine definitorische Sache)
Je mehr gespart wird, desto mehr kann investiert werden und desto mehr Wert kann in einer Volkswirtschaft generiert werden. (Boom)
Je weniger gespart wird, desto weniger kann investiert werden, was natürlich zur Folge hat, dass weniger Wertschöpfung erfolgt. (Depression)
Grüße,
Chris