Hi Hologram,
hab VWL studiert und kürzlich abgeschlossen, vielleicht helfen dir meine Infos ein bisschen weiter:
Zitat
Wie schaut es mit Mathe im VWL studium aus? Ist das wichtig und anspruchsvoll?
Mathe ist das A und O in VWL... So gut wie alle Theorien sind mathematische Modelle, und für die empirische Forschung ist Statistik wichtig...
Ich hatte im gesamten Studium nur eine (VWL-) Vorlesung, die "nicht-mathematisch" war (Europäische Wirtschaftsgeschichte oder so).
Das ist aber kein Grund zur Panik, weil du in die benötigte Mathematik langsam eingeführt wirst (zumindest war das bei mir so). In den Übungen wird alles gut erklärt, durch Überschneidungen auch mehrmals...
...wenn du mit Mathe nicht komplett auf Kriegsfuß stehst, dann ist das kein Problem.
Deine "Mathe-Performance" in der Schule sagt nicht viel aus; ich war in Mathe auch nie sonderlich gut, und ein guter Freund von mir, der ab der 8ten Klasse in Mathe immer nur 5er hatte, unterrichtet inzwischen Statistik an ner Uni 
Wichtig ist, dass du dich für das Studium selbst interessierst, dann klappt's auch mit Mathe; Schlechte Noten in der Schule kommen m.E. daher, dass man als Schüler nicht weis, was einem das Ganze später bringen soll; dann ist die Motivation auch dementsprechend niedrig. Im Studium lernst du, was es bringt, und dann setzt du dich auch damit auseinander. Mathe ist nur Übungssache.
Zitat
Auf was muss ich mich bei einem VWL Studium einstellen?
Im Grundstudium (und 1-2 Semestern des Hauptstudiums) nur Basics; da werden die Fragen, die einen Ökonomie-Interessierten plagen nur selten beantwortet. Zunächst mal lernst du halt Handwerkszeug.
Später, wenn du dich spezialisieren kannst, wird es durchaus interessant.
Zitat
Mich interessiert vorallem Wirtschaftstheorie.
Herzlich willkommen, Kollege!
Zitat
Konkret kenne ich Marx kritik an der politischen Ökonomie relativ gut und Smiths Theorie oberflächlich. sicher sind das in den augen der heutigen Volkswirte bestimmt veraltete Theorien. Aber sind das prinzipiel vorrausetzungen? Gibt man sich mit solchen Theorien im studium überhaupt ab?
Vorausgesetzt wird in diesem Studium nichts.
Zu den alten Theorien:
Ökonomie entwickelt sich ja (wie jede andere Wissenschaft) ständig weiter. Gelehrt werden deshalb die "aktuellsten" Theorien, die aber alle auch auf den Klassikern aufbauen.
Ich vermute mal wenn du Physik studierst, wird dir niemand die Theorien von Newton beibringen; das wird am Rande erwähnt, mit Leseempfehlungen, aber ansonsten widmet man sich den Theorien, die darauf aufbauen. Das gebietet schon die knappe Zeit, die für's Studium zur Verfügung steht.
In VWL ist das auch so. Ich kann mich an Kommentare der Profs erinnern wie: "Ich empfehle ihnen, mal die Arbeitswertlehre von Marx zu studieren, da werden sie dies oder das bestätigt/nicht bestätigt finden"...
Um die Theorien von z.B. Marx explizit lernen zu können, müsstest du wohl an entsprechenden Seminaren teilnehmen, die aber auch angeboten werden (zumindest an großen Unis).
Aber irgendwann wirst du solche Sachen selbst, freiwillig lesen und auch (aus heutiger Sicht) bewerten können.
Zitat
Gibt man sich mit solchen Theorien im studium überhaupt ab?
Wie gesagt: Ja, aber eher am Rande, außer du spezialisierst dich auf sowas. Die neueren Theorien sind (meiner Meinung nach) übrigens wesentlich interessanter...
Zitat
Wie groß ist der ehr "praktische" Teil im Studium?Damit meine ich, die konkrete berechnung von Wachstumsraten von Volkswirtschaften usw usf.
Gleich null. Konkret berechnen wirst du nichts (außer Klausuraufgaben in Übungen, die aber auf simplen Modellen aufbauen).
Du lernst aber in der Theorie, WIE man etwas berechnen kann (Stichwort: Ökonometrie), auch anhand realer Daten. Das ist aber alles extrem einfach gehalten.
Es gibt m.E. deswegen keine "praktischen" Berechnungen im Studium, weil das Ganze äußerst aufwendig ist.
Ökonomie ist nicht vergleichbar mit Naturwissenschaften wie z.B. Chemie, wo man zum Nachweis einer extrem einfachen Theorie nur 2 Chemikalien zusammenschütten muss und dann das Ergebnis sieht...
Beispiel: Wachstumsraten
...werden von diversen Wirtschaftsforschungsinstituten geschätzt; das Ergebnis der Schätzung hängt von den theoretischen Annahmen, der empirischen Modellierung und von den verfügbaren Daten ab, die man auch nicht selbst erheben kann...
Dass sich die Wachstumsprognosen der Institute dann im Bereich von ca. 0.5% bis 1% unterscheiden zeigt, wie genau die Institute arbeiten; geschätzt wird nämlich nicht das Wachstum, sondern das BIP.
Wenn dann Schätzungsunterschiede im Promillbereich rauskommen, ist das eigentlich eine extrem gute Leistung der Forscher.
Ich hoffe, dass du dir jetzt ein genaueres Bild machen kannst...
Grüße,
granti