diskontieren

  • Hallo, studiere Geschichte und habe zurzeit die WIrtschaft des Nationalsozialismus als thema...
    Verstehe oft die Wirtschaftstheorie nicht.

    Staat zahlt Unternehmen mit Staatsauftrag nicht bargeld aus sondern verzinsliche SChuldscheine. Arbeitsnehmer konnten die Diskontwechsel (?) bei jeder Konsortiumsbank einlösen. Um die Banken mit dem nötigen Kassenbestand auszustatten, war die REichsbank bereit, die Wechsel zu diskontieren.(?)
    also den letzten Satz verstehe ich überhaupt nicht..Im Internet heisst es immer abzinsung für diskont...aber ich kann den gedanken nicht machen, wie es so zu dem nötigen Kassenbestand kommen soll..
    weiss jemand mehr?? danke schonmals

  • Hey Gast!
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  • Hi,

    ich versuch's mal auf VWL-Ebene zu erklären (die einzige, die ich kenne:-)

    Diskontieren bedeutet grob gesagt den Wert von irgendetwas in der Zukunft auf die Gegenwart zu übertragen.

    Man kann davon ausgehen, dass Menschen über dieses Irgendwas lieber in der Gegenwart als in der Zukunft verfügen wollen (man sagt doch: Lieber den Spatz in der Hand....)

    Gegenwart ist präsent und bewertbar, Zukunft nicht.
    - Deshalb gibt es Kreditzinsen (Person A leiht Person B nur dann Geld, wenn Person A am Ende mehr rausbekommt, sonst würde sie selbst alles in der Gegenwart ausgeben, oder nicht?)
    - oder Versicherungen (du hast heute einen Euro, morgen mit 50%iger Wahrscheinlichkeit entweder 2 Euro oder nix mehr.... wieviel ist es dir wert, dieses Risiko zu vermeiden?)

    Der Grund ist letzlich die Unsicherheit der Zukunft.

    Darum geht's letztendlich: Die Unsicherheit der Zukunft in der Gegenwart einzupreisen.

    Nun zu den Nazis:
    "Staat zahlt Unternehmen mit Staatsauftrag nicht bargeld aus sondern verzinsliche SChuldscheine. Arbeitsnehmer konnten die Diskontwechsel (?) bei jeder Konsortiumsbank einlösen. Um die Banken mit dem nötigen Kassenbestand auszustatten, war die REichsbank bereit, die Wechsel zu diskontieren.(?)"

    Hier kommt ein weiterer (Unsicherheits-)Faktor dazu, nämlich die Währung. Grundsätzlich gibt es immer ein Problem, wenn die Regierung gleichzeitig Schuldscheine ausstellen UND über die Geldmenge entscheiden kann. Deshalb versucht man heutzutage auch, die Zentralbanken (die die Geldmenge festlegen) mehr oder weniger unabhängig von der Regierung zu halten.

    Stell dir vor, du machst Schulden bei einer Bank, einem Versandhaus, was auch immer, und bezahlst die Schulden dann mit Falschgeld. Das ist der Effekt. Wenn derjenige, der die Schulden in einer Währung macht die Währungs selbst rausgeben darf, ist das nichts anderes als ein riesiger Betrug.
    Das ist letztendlich das, was der Staaat im 3. Reich (und nicht nur dann und dort, das war zu der Zeit ein Massenphänomen) gemacht hat: Leistungen eingekauft, diese mit Schuldscheinen bezahlt und die Schuldscheine dann durch das Drucken von Geld wertlos gemacht.

    Letztendlich ist dieser Satz nur ein Euphemismus, mit 'Diskontieren' im Sinne von Zahlung einer Risikoprämie in der Gegenwart hat das nichts zu tun (oder: Es wurde eine 'nominale' Risikoprämie bezahlt, die aber aufgrund der Geldentwertung letztendlich auch ein Verlust war).

    Hoffe, das war irgendwie hilfreich :)

    - granti

    Einmal editiert, zuletzt von granti (28. März 2009 um 06:37)

  • danke danke danke
    das hat mir wirklich sehr viel weitergebracht....
    macht jetzt alles, auch das vorherige, dass ich gelesen habe, viel verständlicher..
    danke fürs antworten:)