Marginale Konsumquote

  • Hallo,

    gibt es eine Theorie/Formel, wie man die marginale Konsumquote abhängig vom Einkommen berechnen kann?
    Jemand mit geringerem Einkommen wird sicherlich einen Großteil einer eventuellen Gehaltserhöhung ausgeben, wohingegen jemand mit höherem Einkommen nur einen Bruchteil für den Konsum verwenden wird.

    Gibt es einen relativ leicht nachzuvollziehenden mathematischen Zusammenhang?

    Vielen Dank im Voraus!

  • moin,

    also nach keynes fundamental-psychologischem gesetz folgt aus einer einkommenssteigerung stets eine konsumsteigerung wobei ein geringerer prozentsatz der einkommenserhöhung konsumiert wird als es vorher der fall war.

    allerdings würde mich mal interessieren wie du überhaupt zu der annahme kommst dass arme prinzipiell dazu tendieren ihren einkommenszuwachs gleich wieder auszugeben?!? oder meinst relative einheiten bzw prozent?

    jedenfalls lässt sich der private konsum doch mit der formel C=C(Y-T) darstellen.
    wobei uns beigebracht wurde das der ausdruck Y-T bereits die marginale konsumneigung sein würde. scheint mir hier für deine zwecke aber nicht brauchbar zu sein :confused:

    hab deswegen auch mal bei wikipedia nachgesehen und dort steht ua dass die marginale konsumneigung gleich der ableitung des konsums nach dem einkommen wäre (Cy=dC/dY) was deine frage doch beantworten sollte

    könnte mir jetzt nur noch bitte jemand erklären welchen zusammenhang das mit unserer (obigen) definition der mK zu tun hat?:o

    außerdem würde mich noch eine klärung der von achilleus getroffenen annahme arme würden mehr von ihrer gehaltserhöhung ausgeben als reiche interessieren denn ich habe auch schonmal gehört dass 60% des konsums von leuten stammt die es sich eigentlich nicht leisten sollten (siehe hohe anzahl der privatinsolvenzen etc)!

    über antworten würde ich mich sehr freuen

    mfg
    chryso

  • Hallo,

    die Annahme, dass arme HH einen größeren Teil ihres Einkommens konsumieren als reiche HH stimmt.
    Ich hab diese Frage vor einiger Zeit mal einem ifo-Mitarbeiter gestellt, der mich dann auf die relevanten Daten des stat. Bundesamtes verwiesen hat...
    ...soweit ich mich erinnere, hat demnach die Gruppe der ärmsten HH ca. 110% ihres Einkommens konsumiert (also Einkommen + Transfers, daher >100%), die Gruppe der reichsten HH ca. 60%.
    Diese Tatsache ist also empirisch bestätigt..

    [Nebenbei: Leider wird von Politikern aus dieser Tatsache immer der falsche Schluss gezogen, dass eine Umverteilung deshalb konsum- und damit wachstumsfördernd wäre. Dabei wird aber (und ich unterstelle: absichtlich!) der Fakt unterschlagen, dass gespartes Geld der Wirtschaft ja nicht entzogen wird, sondern in Form von Krediten anderweitig wieder konsumiert bzw. investiert wird.
    Wenn man's extrem simpel betrachtet, lohnt sich eine Umverteilung wachstumstechnisch also nur dann, wenn die marginale Konsumneigung der armen HH höher wäre als die mK der reichen HH + marginale Investitionsneigung + marginaler Wohlfahrtsverlust aus der nötigen Besteuerung; also wahrscheinlich gar nicht.]

    Zur marginalen Konsumneigung:
    Es gibt tatsächliche eine (oder mehrere) Formeln, wenn man so will; die Formel hängt aber vom zugrundeliegenden Modell ab, also davon, wie "ausführlich" das Modell ist.
    Man muss halt, wie schon geschrieben, die komplette Einkommensverwendungsgleichung nach C auflösen und dann nach Y ableiten, wobei man beachten muss, dass Y selbst ja auch von C abhängt; am Ende kommt eine (je nach Modell mehr oder weniger ansehnliche) Multiplikatorformel heraus, die beschreibt, welchen Einfluss eine marginale Erhöhung von Y im gesamtwirtschaftlichen Modell auf C hat, also: Um wieviele Einheiten steigt der Konsum, wenn das Volkseinkommen um eine Einheit steigt.

    Ich hoffe mal, dass das irgendwie hilfreich war :D

    Grüße,
    -granti

  • hallo zusammen,

    gibt es eigentlich auch wirtschaftliche erklärungsansätze für dieses irrationale handeln der geringverdienenden HH oder muss man sich zur klärung dieser frage in den fachbereich der kognitiven verhaltenwissenschaften begeben?

    vielen dank
    sodalis

    ps: vielleicht tendieren die politiker in der öffentlichen debatte ja zu diesen forderungen weil der anteil jener bevölkerungsschicht an der gesamtbevölkerung einfach wesentlich größer ist!?! andererseits ist doch jedem klar das sich noch nie ein politiker an seine wahlversprechen gehalten hat!!!

    [SIZE=3]Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit, non novit.[/SIZE]

  • Hi sodalis,

    hallo zusammen,

    gibt es eigentlich auch wirtschaftliche erklärungsansätze für dieses irrationale handeln der geringverdienenden HH oder muss man sich zur klärung dieser frage in den fachbereich der kognitiven verhaltenwissenschaften begeben?

    Ich würde nicht unbedingt sagen, dass dieses Verhalten irrational ist; letztendlich ist ein großer Teil der Lebenshaltungskosten nicht einkommensabhängig:
    Ein 1-Zimmer-Appartment in einer Stadt kostet immer gleich viel, egal, ob da ein Friseur oder ein Investmentbanker drin wohnt; auf die meisten Konsumgüter wie Nahrung oder (bedingt auch) Kleidung trifft das auch zu.
    Die Konsumquote ist einfach auch Budget-bedingt. Wenn du 800 Euro/Monat netto verdienst und eine Wohnung in eines Stadt wie München anmietest, bleiben die noch ca. 300-400 Euro für den Lebensunterhalt. Wiel kann man sich da nicht mehr absparen; selbst wenn jemand extrem kostenbewusst lebt, hat er in diesem Fall immer noch eine Konsumquote von mindestens 80%.
    Andererseits: Wer 5 Millionen/Jahr verdient, kann selbst seine Luxusbedürfnisse befriedigen und trotzdem noch 30% seines Einkommens sparen.

    ps: vielleicht tendieren die politiker in der öffentlichen debatte ja zu diesen forderungen weil der anteil jener bevölkerungsschicht an der gesamtbevölkerung einfach wesentlich größer ist!?! andererseits ist doch jedem klar das sich noch nie ein politiker an seine wahlversprechen gehalten hat!!!

    Geldgeschenke machen Regierungen populär und sichern die Wiederwahl.
    Der Nutzenmaximierungsansatz eines Politikers läuft halt darauf hinaus, dass möglicht viel Geld von möglichst wenigen Wählern eingetrieben wird und dieses dann an möglichst viele Wähler verschenkt wird; also etwas in der Art: Einführung einer Zusatzsteuer für Millionäre zur Finanzierung einer Kindergelderhöhung.

    Grüße,
    -dumps

  • Zitat

    Die Konsumquote ist einfach auch Budget-bedingt. Wenn du 800 Euro/Monat netto verdienst und eine Wohnung in eines Stadt wie München anmietest, bleiben die noch ca. 300-400 Euro für den Lebensunterhalt. Wiel kann man sich da nicht mehr absparen; selbst wenn jemand extrem kostenbewusst lebt, hat er in diesem Fall immer noch eine Konsumquote von mindestens 80%.
    Andererseits: Wer 5 Millionen/Jahr verdient, kann selbst seine Luxusbedürfnisse befriedigen und trotzdem noch 30% seines Einkommens sparen.

    ok, das sind zwei extrembeispiele. wie sieht es denn bei den HH aus, die nach abzug der lebenshaltungskosten vll noch etwas mehr als 80€ halten können?

    ich meine, letzten endes geht es um die persönliche konsumneigung.
    wir hatten da noch in der schule eine britische studie gezeigt bekommen, die bestimmte güter wie cola und junkfood den armen zuteilt (obwohl sie verhältnissmäßig (zu) teuer sind) und wein sowie fisch den oberen einkommensklassen!

    meine frage ist, ob es eine volkswirtschaftliche (vwl als empirische verhaltenswissenschaft) theorie gibt, die solche zusammenhänge erklärt?

    gruß
    sodalis

    [SIZE=3]Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit, non novit.[/SIZE]

  • Hi sodalis,

    ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden:
    Da fragst nach einer Theorie, die bestimmte Konsumgewohnheiten von verscheidenen Einkommensklassen erklärt, ohne dass das Budget eine Rolle spielen darf?

    Kann sein, dass es dazu Untersuchungen gibt; ich persönlich kenne keine (was aber nicht viel bedeutet ;))

    Das Budget ist m.E. extrem wichtig für solche Untersuchungen, und gesamtwirschaftlich gesehen halte ich es auch nicht für irrational, dass der Konsumanteil mit steigendem Einkommen zurückgeht (von diesen "Extremfällen" mal abgesehen).

    Zu dieser britischen Studie:
    Sehr viele Sachen sind länderabhängig. Ich kenne vergleichbare Daten aus den USA (arme Leute essen verhältnismäßig öfter bei Junk-Food Ketten als reiche Leute), was der britischen Studie entsprechen würde.
    Allerdings weiss ich, dass Fast-Food in den USA auch wesentlich billiger (im Verhältnis zum BIP) ist als in Deutschland; liegt wohl an der größeren Konkurrenz.
    Man sollte vorsichtig damit sein, solche Studien länderübergreifend zu vergleichen, weil die Märkt völlig anders sind; evtl. auch die Konsumgewohnheiten der Leute.

    - granti

    P.S.:
    In den europäischen ex-GUS Ländern ist ein Abendessen bei McDonalds teurer als in einem richtigen Restaurant; die Burger sind dort den Reichen vorbehalten, kein Scherz...
    Ist zumindest meine Erfahrung nach einem Trip nach Moldawien.

  • Zitat

    ich hoffe, ich habe dich richtig verstanden:
    Da fragst nach einer Theorie, die bestimmte Konsumgewohnheiten von verscheidenen Einkommensklassen erklärt, ohne dass das Budget eine Rolle spielen darf?

    ja das kommt schon ungefähr hin. aber so wie ich das sehe muss zwischen einkommen und konsumneigung noch eine gewisse wechselseitige abhängigkeit bestehen, die sich aus den mechanismen eines freien wettbewerb marktes ergibt. beispielsweise würden manche dann ein niedrigeres einkommen erhalten weil sie nur unzureichend gebildet sind. diese leute würden me dann auch ehr stefan raab schauen als harald schmidt usw

    ich hoffe ich konnte deutlich machen worums mir geht und möchte zum schluß nur noch anmerken, dass mir sehr wohl klar ist wie plump mein beispiel ist, es sollte aber erstmal wirklich nur zur orientierung dienen.

    bis später
    sodalis

    [SIZE=3]Lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit, non novit.[/SIZE]

  • ja das kommt schon ungefähr hin. aber so wie ich das sehe muss zwischen einkommen und konsumneigung noch eine gewisse wechselseitige abhängigkeit bestehen, die sich aus den mechanismen eines freien wettbewerb marktes ergibt.


    Du hast Recht, aber diese Abhängigkeit ist nicht wechselseitig.
    Das ist doch (selbst ohne ökonomische Theorie) ziemlich offensichtlicht: Wer mehr verdient, kann seine Konsumbedürfnisse wesentlich einfacher und besser befriedigen als jemand, der weniger verdient; dazu gehört auch die "Fähigkeit", Geld zu sparen.

    beispielsweise würden manche dann ein niedrigeres einkommen erhalten weil sie nur unzureichend gebildet sind. diese leute würden me dann auch ehr stefan raab schauen als harald schmidt usw

    Ich geb dir Recht zu dem ersten Teil des Satzes: Wer besser (aus)gebildet ist, erhält einen höheren Lohn; das ist Marktwirtschaft.
    -granti